Tue Nov 2008 |
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Neukirchen b. Hl. Blut. Im Wallfahrtsmuseum wurde am Donnerstagabend die neue Sonderausstellung "Schee is gwen, owa hirt" mit alten Fotos aus dem Bayerischen Wald eröffnet. Diese Ausstellung mit vielen alten Lichtbildpostkarten aus dem Archivbestand des Feilichtmuseums Finsterau vermittelt einen Eindruck von den Menschen, Geräten, Landschaften und Situationen des Alltags vergangener Zeiten. Dr. Martin Ortmeier, Museumsleiter des Freilichtmuseums Finsterau, hielt einen einführenden Vortrag, musikalisch wurde die Ausstellungseröffnung vom Gredbankerlduo Groß umrahmt. Bürgermeister Josef Berlinger freute sich, dass er zu dieser 44. Sonderausstellung nicht nur Vertreter aus Politik, Kirche, Bildung und Kultur diesseits der Grenze, sondern auch tschechische Freunde des Museums, allen voran den Museumsdirektor des Bergbaumuseums Pribram Josef Velfl, begrüßen konnte. Er wies darauf hin, dass die Erhaltung von Quellen der Vergangenheit eine wichtige Aufgabe sei.Dr. Martin Ortmeier begann seinen anschaulichen Vortrag mit einer Anekdote. Eine Bauerstochter aus dem unteren Bayerischen Wald war um 1930 als Dienstbotin in das niederbayerische Rottal gekommen. Auf einer Postkarte an die Eltern schrieb sie folgendes: "Lieber Vater, liebe Mama, das Essen ist gut und reichlich auf dem Hof, eine Bettstatt hab ich ganz für mich allein, aber bei uns daheim in Deutschland ist es halt doch schöner." Solche Kartenaufschriften würden uns einen Blick in die Vergangenheit tun lassen, und auch mit den für die Ausstellung aus dem Bildarchiv des Freilichtmuseums Finsterau ausgewählten Archiven habe er "Die Zeit im Bild festhalten" wollen. Manche Fotos seien einfach schön, wie das Hirtenhaus von Lindberg mit Schafen, was wie eine Weihnachtsszene wirke. Da könne man leicht vergessen, wie armselig es in diesem Holzhaus unter den krummen und verworfenen Holzschindeln zugegangen sei, so Dr. Ortmeier.Die Fotografin Erika Groth-Schmachtenberger, die sich selbst am liebsten als "Bildberichterstatterin" bezeichnete, wurde 1906 in Freising geboren und war eine der ersten Pressefotografinnen in Deutschland, die für populäre auflagenstarke Zeitschriften wie "Münchner Illustrierte Presse" und "Berliner Illustrierte Zeitung" tätig war. Sie war eine der ersten, die volkskundliche Motive wie Bauernhäuser, Brauchtum und vor allem bäuerliches Leben und Arbeiten in den Mittelpunkt ihrer Dokumentationen stellte und in 6 Jahrzehnten unermüdlich mit ihrem untrüglichen Blick für Details einen reichen Fundus hinterlassen hat.Wenige Jahre vor ihrem Tod im Jahr 1992 hat Erika Groth-Schmachtenberger alle Bilder mit niederbayerischer Thematik dem Freilichtmuseum Finsterau hinterlassen, so dass die schönsten und aussagekräftigsten ihrer Bilder in der Ausstellung zu sehen sind.Von Pfarrer, Lichtbildner und Forscher Max Maier habe das Museum hingegen nur 17 Fotografien, die von kulturhistorischen Wissen und sozialem Interesse am unmittelbaren Wirkungskreis als Pfarrer in Schaufling bei Deggendorf geprägt sind. Von einem großen Teil der Fotos in der Ausstellung sind die Autoren allerdings nicht bekannt.Dr. Ortmeier erklärte, dass Fotografien durch ihre Unmittelbarkeit bestechen. Er forderte jedoch die Besucher der Ausstellung auf, sie nicht unkritisch sofort für das wahre Abbild der Wirklichkeit zu halten, denn manchmal hätten auch Personen für den Fotografen postiert, die im Alltagsleben gar nicht an diesem oder jenem Arbeitsvorgang beteiligt waren, jedoch mit aufs Bild wollten. So bat er, die Ausstellungsbesucher, sich einzulassen, genau hinzuschauen auf Physiognomie, auf Hände, auf Geräte und Landschaften, und die kulturelle Leistung unserer bäuerlichen Vorfahren vor den Licht- und Schattenseiten des Lebens zu würdigen.Die Ausstellung ist bis 15. Dezember von Dienstag bis Freitag von 9 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr zu sehen und ab 16. Dezember zusätzlich an den Wochenenden von 10 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr. Zu der Ausstellung ist im Buch- und Kunstverlag Oberpfalz ein Buch erschienen, welches an der Museumskasse erhältlich ist. Telefon: 09947/940821. |









